Männer, drunter darf’s jetzt bunter werden!

Viele Männer kaufen immer noch Opas weiße Feinripp-Unterhosen mit Eingriff. Dabei gibt es bunte Hip-Pants längst auch für Männer.

Viele Männer kaufen immer noch unverbesserlich die Unterhosen des ganz klassischen Typs: Weiß, Doppelripp, mit Eingriff. Dabei wurden in den vergangenen Jahren eng anliegende Hip-Pants mit halbem Bein modisch. Die sehen in Grau und Schwarz nicht nur edel aus, sie passen auch perfekt unter Anzughosen. Doch jetzt gibt es eine neue Trendmeldung: die Hip-Pants bekommt Farbe.

Experten beschwören sogar schon wieder den Gegentrend zu den längeren, engen Retro-Höschen: Die Boxershorts kehrt zurück – und der klassische Slip im neuen Design. Dabei hatten sich die meisten gerade einmal an die Hip-Pants gewöhnt. Wer zum Beispiel Uschi Menger, Fachverkäuferin in der Wäscheabteilung vom Modehaus Jost, fragt, was Männerherzen in Bezug auf ihre Unterhose inzwischen höherschlagen lässt, erhält die Antwort: dunkle Farben, eng anliegende Retro-Formen mit längerem Bein und technische Qualitäten aus Mikrofasern. Sie hat ein grundsätzlich gestiegenes Modebewusstsein bei den Herren festgestellt: „Die Männer merken, dass man sich in schöner Unterwäsche einfach besser fühlt.“

Das macht die Hersteller mutiger – in zunehmend kürzeren Abständen gibt es Neues über Unterwäsche-Trends. Das Deutsche Modeinstitut in Köln formuliert mit Blick auf die aktuelle Saison Frühjahr und Sommer 2010: „Das Spiel mit Innovation und Tradition gibt der Menswear neue Impulse und den neuen Helden Gelegenheit, ihre Fashion Kompetenz weiter zu entwickeln.“ Das soll heißen: Es tut sich etwas, und Männer gehen mittlerweile mit offenen Augen an solche Neuerungen heran.

 

Frische Farben, Entspanntheit und ein Mix aus Urbanität, Sportlichkeit und einem Tick Weiblichkeit sind die Themen der Mode. Sie finden jetzt auch ihren Ausdruck in der Unterwäsche. „Workwear“ – Einflüsse aus der Berufskleidung – ist ein weiterer Mode-Trend der Saison, der sich zum Beispiel an verwaschenen Jeans ablesen lässt. Auch in verwaschenen Optiken und Naturfarben, etwa in den Unterwäsche-Kollektionen von Camel active, Mustang oder Tom Tailor, ist er zu sehen.

Dagegen gibt es auch Kollektionen, die ganz auf Farbe setzen. Klare Blautöne erinnern an das Meer – zum Beispiel bei Marken wie Bikkembergs, Daniel Hechter oder Joop. Bunt geht es zum Teil auch beim österreichischen Hersteller Skiny zu. Im Metallic-Look gibt es glamouröse Wäsche von Hanro, HOM oder Mey – aus schimmernden Materialien und Mustern in Matt/Glanz-Optik. Dazu kommen Neon-Töne – Giftgrün, Orange, Knallgelb oder Pink – bei Bruno Banani, Diesel und dem spanischen Unternehmen ES Collection – bei letzterem dominieren die knapperen Formen bereits.

Angedeutete oder akzentuierte Eingriffe sind bei Hugo Boss, Calida oder Zimmerli zu sehen, in maskulinen, nostalgischen Karo- und Streifendessins der 50er Jahre. Aber nicht nur optisch kommt Bewegung in die Herrenunterhose, auch formal. Dominant sind in den Kollektionen nach wie vor körpernah gehaltene Hipster mit unterschiedlich langen Beinformen. Aber der klassische Sportslip mit ausgeschnittenem Bein und die weiten, gewebten Boxershorts holen auf.

„Ich sehe ein Boxer-Comeback von klassisch bis modisch. Das sind nicht nur klein-, auch richtig groß karierte, farbschöne Shorts, mit denen man sich sehen lassen kann“, sagt Volker Görhardt, über Jahrzehnte Kreativdirektor der amerikanischen Traditionsmarke Jockey. Einer der Gründe sei, dass sie kein altbackenes Wäsche-Aussehen hätten. Und Jung und Alt finden gleichermaßen Gefallen an ihnen.

Junge Männer entdecken die weiten Unterhosen mit dem Hüftbund neu für sich, die älteren entdecken die klassische Version wieder – als lockere Alternative zur eng anliegenden Wäsche. Es gibt sie auch in pastelligen Tönen und frechen Farben. Sie dürfen sogar mit Rosa vermischt sein. Ein zweites, kleineres Comeback bei der Jugend erlebt der Slip. „Figurbetonend und sportlich geschnitten ist das genau der Typ Wäsche, den die athletischen Jungs brauchen können“, sagt Görhardt. Besonders markant wirken die anatomischen Trend-Slips in mutigen Farben, Drucken und Schwarz-Weiß-Bildern.

Und es ist wohl kein Wunder, dass Emporio Armani den Fußballstar Cristiano Ronaldo in seiner neuen Unterwäschekampagne in einen der engen, knappen Slips gesteckt hat. Ein weiterer markanter Trend sind künstlerisch oder lustig bunt bedruckte Unterhosen. Die neue junge Kollektion von Bruno Banani zum Beispiel zeigt Superhelden- und Heavy-Metal-Motive.

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